Pigmentstörungen lasern: Lentigines, Melasma, PIH – wann Laser, wann nicht?

Kurz gesagt: Für Lentigines empfiehlt die S2k-Leitlinie „Lasertherapie der Haut“ gütegeschaltete Nano- oder Pikosekundenlaser und IPL. Bei Melasma und postinflammatorischer Hyperpigmentierung (PIH) ist der Laser nur eine Option, mit Risiko für Rezidiv und Verschlechterung. Vor jeder Pigmentbehandlung steht die fachärztliche Abklärung, und bei kosmetischer Indikation gilt der Arztvorbehalt nach § 5 Abs. 2 NiSV.

Erst die Diagnose, dann der Laser

Pigmentierte Läsionen reichen von harmlos bis maligne. Die Leitlinie fordert, die Benignität vor der Laserbehandlung durch eine Fachärztin oder einen Facharzt für Dermatologie mit geeigneten Verfahren sicherzustellen. Laut Konsens kann eine nicht indizierte Laserbehandlung die Diagnose maligner Hautveränderungen verzögern oder erschweren.

Ein australischer Fallbericht beschreibt eine Lentigo maligna, die ohne ärztliche Untersuchung kosmetisch gelasert wurde. Die Pigmentierung kehrte innerhalb von zwölf Monaten zurück. Dass der Laser selbst ein Melanom auslöst, ist nicht belegt; das Risiko liegt in der verzögerten Diagnose.

  • Jede Läsion vor der ersten Sitzung dermatologisch beurteilen, in der Praxis in der Regel dermatoskopisch; im Zweifel histologisch sichern.
  • Melanozytäre Läsionen nur mit besonderer Vorsicht behandeln. Bei ihrer Entfernung empfiehlt die Leitlinie eine Histologie, etwa per Shave mit anschließender Ablation.
  • Schnell nachwachsende oder unregelmäßig pigmentierte Rezidive erneut feingeweblich untersuchen.

Welcher Laser bei welcher Pigmentstörung?

Die S2k-Leitlinie gibt für die häufigsten Pigmentstörungen konkrete Empfehlungen. Die Tabelle zeigt eine Auswahl.

BefundEmpfohlen (Auswahl)Nicht empfohlen bzw. nur erwogenPraxishinweis
LentiginesGütegeschaltete Rubin- (694 nm) und KTP-Laser (532 nm), Alexandrit (755 nm) im Pikosekundenbereich, IPLAblative CO₂- und Er:YAG-Laser nur „erwogen“Konsequenter Lichtschutz (Kleidung, LSF 50+)
MelasmaGütegeschaltete Rubin-, KTP- und Alexandritlaser sowie Thulium (1.927 nm), jeweils mit geringer EnergieAblative CO₂- und Er:YAG-Laser nicht empfohlen; IPL nur „erwogen“Niedrige Energie, mehr Sitzungen, nicht im Sommer
PIHGütegeschaltete Rubin-, KTP- und AlexandritlaserAblative CO₂- und Er:YAG-Laser nicht empfohlen; IPL nur „erwogen“Häufig auch ohne Laser innerhalb von 24 Monaten rückläufig

Melasma: Warum Laser enttäuschen können

Melasma verläuft chronisch und neigt zu Rezidiven. Laser und IPL gelten in der Literatur als Alternative, wenn topische Therapie und Peelings nicht ausreichen. Ein Review beschreibt eine hohe Rezidivrate, die mit der Zeit zunimmt.

Ein systematischer Review zum Low-Fluence-Nd:YAG-Laser mit 42 Studien fand nach Therapieende in mehreren Studien Rezidive bei der Mehrheit der Behandelten. Bei hoher kumulativer Energie traten gesprenkelte (mottled) Hypopigmentierungen auf. Rebound-Hyperpigmentierungen betrafen vor allem Hauttyp IV bis V bei zu aggressivem Vorgehen.

Die Leitlinie rät zu niedrigen Energien über mehr Sitzungen und von Behandlungen im Sommer ab. UV-bedingte Rezidive könnten sonst fälschlich als Lasernebenwirkung gedeutet werden. Lichtschutz und topische Therapie bleiben die Basis.

PIH: Abwarten ist oft eine Option

Postinflammatorische Hyperpigmentierungen bilden sich laut Leitlinie häufig auch ohne Laser innerhalb von 24 Monaten zurück. Zugleich nennt die Leitlinie die PIH als aufklärungspflichtiges Risiko der Pigmentlaserbehandlung selbst. Stark vorgebräunte Haut sollte wegen der Gefahr von Hypopigmentierungen nicht behandelt werden.

Wird gelasert, sieht die Leitlinie mehrere Sitzungen vor. Depigmentierende Externa wie Hydrochinon werden vier Wochen vor bis acht Wochen nach der Behandlung empfohlen. Duftstoffe und auslösende Substanzen im Areal sind zu meiden.

Arztvorbehalt: Was gilt bei kosmetischer Indikation?

Nach § 5 Abs. 2 NiSV dürfen kosmetische Behandlungen pigmentierter Hautveränderungen nur approbierte Ärztinnen und Ärzte mit entsprechender Weiter- oder Fortbildung durchführen. § 5 NiSV regelt die Fachkunde für Laser und intensive Lichtquellen. Der Vorbehalt dürfte daher auch die IPL-Behandlung von Pigmentveränderungen erfassen.

Medizinisch indizierte Behandlungen fallen nicht unter die NiSV, sondern unter das ärztliche Berufsrecht. Die Grenze zwischen medizinisch und kosmetisch ist bei Lentigines oder Melasma nicht immer eindeutig. Ob MFA mitwirken dürfen, ist deshalb sorgfältig zu prüfen; mehr dazu im Ratgeber Was darf eine MFA am Laser?

Häufige Fragen

Darf ich Lentigines ohne vorherige Abklärung lasern?
Die Leitlinie verlangt vor der Laserbehandlung eine fachärztliche Beurteilung der Benignität. Ohne gesicherte Diagnose riskieren Sie, eine Lentigo maligna oder ein Melanom zu übersehen.

Ist IPL bei Melasma eine sichere Alternative?
Die Leitlinie führt IPL bei Melasma nur als Option, die erwogen werden kann. Auch hier sind Rezidive und Verschlechterungen möglich, deshalb sind niedrige Energien und konsequenter Lichtschutz wichtig.

Warum kommt das Melasma nach dem Lasern zurück?
Melasma ist chronisch und rezidivierend, und UV-Exposition kann ein Rezidiv auslösen. Der Laser behandelt das sichtbare Pigment, nicht die zugrunde liegende Neigung.

Vertiefen können Sie das Thema im eLearning Entstehung und Behandlung von Pigmentstörungen von Elsa Devillechabrolle und Dr. med. Matthias Wahn. Der Kurs umfasst 2 Lerneinheiten (ca. 120 Minuten) zu Laser, IPL und begleitender Therapie und ist mit 5 CME-Punkten der Ärztekammer Niedersachsen zertifiziert.

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Stand: Oktober 2026. Dieser Ratgeber gibt einen Überblick und ersetzt keine Rechts- bzw. medizinische Beratung. Quellen: S2k-Leitlinie Lasertherapie der Haut, AWMF 013-095 (2022), Bala et al., Med J Aust 2017, Lee et al., Medicina 2022, Trivedi et al., Int J Womens Dermatol 2017, § 5 NiSV, Gewerbeaufsicht Bayern, Merkblatt NiSV

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